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Zu Besuch im Liedergarten

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Musikredakteur Walter Dohr, der wohl profundeste Kenner der Chorszene im Rhein-Sieg-Kreis, besuchte neulich unseren Liedergarten.

Hier nun sein Bericht:

Wie schön, dass ihr gekommen seid

Liga Mai  2010Immer wieder stößt man auf den Lausbuben mit den strubbeligen Haaren als Maskottchen des Förderprojektes „Toni im Liedergarten“ (ChorVerband NRW). Hans-Josef Bargon, Vorsitzender der Chorgemeinschaft „Germania“ Siegburg, die eine Patenschaft übernommen hat, meinte, ich solle seiner Tochter Nadja Weiss doch einmal über die Schulter schauen. Sie und die Mütter sind von diesem Projekt geradezu begeistert, und auch der Leiterin des Förderprojektes scheint dies zu gefallen. Die integrative Kindestagesstätte Veronika Keller in der Trägerschaft der Jugendbehindertenhilfe, in der die Kurse stattfinden, ist übrigens phantastisch konzipiert und besitzt ein beispielhaftes Spielgelände, wovon man nur träumen kann.

Nicht von ungefähr meinte dann auch Hans-Josef Bargon, „dass man hier noch einmal Kind sein möchte“. Ich würde das aber nicht nur auf das Spielen, sondern ebenso auf das Singen und Musizieren beziehen wollen. Eine Mutter hatte sogar das ältere Geschwisterkind mitgebracht, das früher schon einmal den Liedergarten besucht hatte und jetzt unbedingt wieder mitmachen wollte. Zunächst intonierte Nadja Weiss (die sich immer wieder mit einer Stimmgabel kontrollierte) das Begrüßungslied „Wie schön, dass ihr gekommen seid“. Bei jeder Strophe wurde ein Sprössling gesanglich „begrüßt“, ehe das Singen auf sehr spielerische Art von Hüpfen, rhythmischem Klatschen, Stampfen oder Armrollen begleitet und sinnvoll akzentuiert wurde.

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Dabei standen die kleinen Mädchen Eva, Annika und Maya den Buben Elias, Aaron und Noah in nichts nach. Dann folgte das „Froschlied“, bei dem der Frosch zum Hüpfen ans Wasser geht. Auf Zuruf wurde der Frosch durch andere Tiere ersetzt, die ganz winzig in einem „Singrohr“ steckten. Die Gesichter und Gebärden der Kleinen sprachen Bände, und einer der Winzlinge versuchte sogar, den Liedtext mitzusingen. Dann wurde quicklebendig wie ein Hase durch das „Musikzimmer“ gehoppelt, wie ein Auto oder Flugzeug gebrummt sowie wie eine Dampflok gezischt. Danach flohen die Kleinen als Waldtiere vor dem wilden Jägersmann, und das alles mit den stimmigen Geräuschen dazu. Kein Wunder, dass die Leiterin ganz schön ins Schwitzen geriet.

Das „Fischlied“ erinnerte mich an die Kindheit und die Geschichte von zehn kleinen Negerlein, die alle nacheinander verschwanden. Doch zur Überraschung der besorgten Mutter tauchten die Fische wieder auf, die sich nur versteckt hatten. Während Nadja Weiss die Holzklöppel suchte, sang sie unentwegt die bergische Volksweise „Auf einem Baum der Kuckuck saß“, damit die Kinder und die Mütter auch den alten Liedschatz kennenlernen. Danach spielte sich ein wahres Trommelfeuer mit den Stöcken ab, wobei die Rhythmen und Klänge variierten. Doch bevor das Abschiedslied erklang, protestierte ein Sprößling lauthals. Nadja Weiss hatte nur die Musik zum Tanzen eingespielt und dabei die Musik zum Ausruhen vergessen. Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal in der besagten Kinderburg, die eigentlich Sing- und Musikburg heißen müsste.

Walter Dohr